Spätburgunder

Der Blaue Spätburgunder, auch Pinot Noir genannt, ist eine der ältesten und edelsten Rebsorten der Welt. Sein Name erzählt von seinem Charakter und seiner Herkunft: Die Reben, deren Trauben im Spätsommer dunkelblau einfärben, finden ihren Ursprung im Burgund. Dass der Spätburgunder über die Grenzen Frankreichs hinaus getragen wurde, ist wohl den Ordensbrüdern zu verdanken, denen der rote Wein als sinnbildliches Grundnahrungsmittel diente. Doch nicht allein die Symbolik des Weins machte die Reben so bedeutungsvoll für die Mönche, ebenso die wirtschaftliche Sicherheit, die ein gesegneter Weinanbau jedem Kloster bot.

An der Ahr gelangt der Spätburgunder durch die fachkundige und akribische Handarbeit der Winzer in die Spitzenränge der Qualitätsrotweine. Doch so bedeutungsvoll und deliziös sein feiner duft und betörender Geschmack auch sind, der Blaue Spätburgunder macht es den Winzern nicht leicht. Seine enorm hohen Ansprüche an Boden und Klima und sein zart besaitetes Immunsystem treiben so machen Winzer den Schweiß auf die Stirn.

Warum ausgerechnet die Mimose, die aus dem fernen Brasilien stammt, als Synonym für empfindliche, anfällige Menschen steht, wo sich doch der Blaue Spätburgunder so nahe liegend anbietet, bleibt zu klären. Mit dieser Fragestellung ist im Grunde schon gesagt, dass der Blaue Spätburgunder eine Mimose –Verzeihung- ein empfindliches, dünnhäutiges Gewächs ist. Seine Schale springt bei der kleinsten unsanften Handgreiflichkeit und die Früchte haben die schlechte Angewohnheit, sich bei der geringsten Unpässlichkeit mit Viren und Fäulnis zu infizieren.

In Deutschlands Forschungsstätte Geisenheim wurden bereits erfolgreich Klone hervorgebracht, die weniger anfällig sind; allerdings fehlt es am identischen Aroma. Was bleibt also übrig, als den empfindlichen Blauen Spätburgunder liebevoll zu hegen und zu pflegen, ganz so, wie es die Winzer an der
Ahr mit ca. 564 ha Anbaufläche auf süd- und südwestlich ausgerichteten Steilhängen eines der kleinsten Weinanbaugebiete Deutschlands, gelegen im nördlichen Rheinland-Pfalz Ahr tun, um als Dank eine Spitzenlese nach Hause tragen, die prädikatswürdig ist!

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