Der Ahrwein Erntebericht 2024

Rückblick auf ein herausforderndes Weinjahr 2024

 

Es ist Spätherbst, und während einige Weingüter am oberen Ende des Weinanbaugebietes Ahr noch die letzten Trauben von den Rebstöcken ernten, sind viele Ahrwinzer bereits seit einigen Wochen mit der Weinlese 2024 fertig. Diese Saison ging es zügig voran, da 2024 kein einfaches Weinjahr war und verschiedene Faktoren die Erntemenge stark begrenzt haben. Kein Wunschjahr für die Weinmacher im Ahrtal, doch ein Rückblick ist dennoch lohnenswert.

Das war das Weinjahr 2024


Winter


Nach einem milden Jahreswechsel und einigen heftigen Schneefällen um den 18. Januar 2024 gestalteten sich die Monate Januar und Februar kälter und nasser als im Vorjahr. Zwar fiel das Thermometer zeitweise unter minus 10 Grad, doch diese Kälte hielt zum Glück nicht lange genug an, um für die Reben gefährlich zu werden. Das Frühjahr entwickelte sich zunächst positiv für den Weinbau: Hohe Niederschläge sorgten für optimale Wachstumsbedingungen, und die Reben bildeten alle Gescheine (Blütenstände) aus.

 

Frühling


Ende April ereilte das Ahrtal ein unerwarteter Kälteeinbruch. Frostschäden betrafen vor allem junge Triebe und Knospen. Viele Winzer standen vor der Herausforderung, ihre Rebstöcke vor den tiefen Temperaturen zu schützen. Trotz Schutzmaßnahmen war der Schaden in einigen Lagen unvermeidlich. Zu diesem Zeitpunkt rechneten einige Winzer bereits mit einem Ernteausfall von 40 bis 60 Prozent. Es blieb die Hoffnung, dass über einen warmen Sommer sogenannte Beiaugen austreiben würden oder die stehen gelassenen Frostruten den Ernteausfall kompensieren könnten. Dies wäre jedoch nur möglich, wenn zwischen der Blüte der Beiaugen und der Lese noch 100 Tage vergingen, was vor allem bei den frühreifenden Sorten knapp werden könnte. Die anschließende Blüte verlief im Ahrtal ungestört, allerdings etwa eine Woche später als im Durchschnitt.

 

Sommer


Leider zeigte sich auch der Sommer 2024 für die Weingüter und Winzer im Ahrtal wenig gnädig. Mai und Juni waren von starken Regenfällen geprägt, zeitweise mit heftigem Starkregen, der Straßen und Keller unter Wasser setzte. Den bereits durch Frost dezimierten Trauben bekam diese hohe Feuchtigkeit nicht gut. Das feucht-milde Wetter begünstigte die Ausbreitung von Pilzkrankheiten wie Peronospora (Falscher Mehltau). Nur durch den regelmäßigen Einsatz von Fungiziden konnten die Weinberge einigermaßen schadensfrei gehalten werden. Selbst bei den aufmerksamsten Winzern und insbesondere bei den biozertifizierten Betrieben, die zum Teil im Schichtsystem mit Raupenfahrzeugen unterwegs waren, ließ sich ein minimaler Verlust durch den Pilzbefall nicht verhindern.

 

Herbst


Der Herbst zeigte sich, wie auch in den Vorjahren, sonniger und wärmer als die Frühsommer-Monate. August, September und Oktober blieben größtenteils trocken mit milden bis warmen Temperaturen und niedriger Luftfeuchtigkeit, sodass die verbliebenen Trauben ungestört am Rebstock ausreifen konnten. Die Weinlese im Ahrtal begann in den ersten Septemberwochen zögerlich mit dem Frühburgunder, während einige frühreifende, pilzwiderstandsfähige Rebsorten wie Solaris bereits vorher gelesen wurden. Der Frühburgunder, der den Winzern in den letzten Jahren aufgrund von Ertrag und Gesundheit zunehmend Sorgen bereitet hatte, war auch 2024 am stärksten von den Witterungsbedingungen betroffen. Daher wird die Erntemenge des Frühburgunders dieses Jahr voraussichtlich sehr gering ausfallen.

Mit der Hauptrebsorte des Ahrtals, dem Spätburgunder, begann die Lese rund um den Tag der Deutschen Einheit. Vor allem die beiden großen Genossenschaften Dagernova und Mayschoß-Altenahr nahmen am Feiertag den Großteil der Trauben ihrer Mitgliedsbetriebe entgegen. Trotz der durchweg guten Traubenqualität bleibt die durchschnittliche Erntemenge weit hinter den Erwartungen zurück. Die Winzer konnten etwa zwei Drittel weniger ernten als in den Jahren 2022 und 2023. Während an der Mittelahr um Dernau und Walporzheim die Ernte etwas besser ausfiel, waren in den Rebzeilen der Unterahr, insbesondere bei Heimersheim, teilweise keine Trauben mehr am Stock zu finden.

Ein kleiner Statusbericht aus dem Weinkeller


Bisher präsentiert sich der Jahrgang 2024 im Keller unproblematisch. Der Start der Gärung verlief reibungslos, was auf die gute Gesundheit des verbliebenen Traubenguts schließen lässt. Die Weißweine befinden sich noch in der Gärung, während die Rotweine nach der Maischegärung bereits in die Holzfässer gelegt wurden. Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Ernte 2024 deutlich zu klein ausgefallen ist und die witterungsbedingten Herausforderungen den Weinbergen und Winzern stark zugesetzt haben. Dennoch ist von einer guten Qualität der Weine des Jahrgangs 2024 auszugehen. Ob die verringerte Erntemenge auch Preissteigerungen mit sich bringen wird, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sagen. Zwar haben die Winzer mit den reichhaltigen Jahrgängen 2022 und 2023 einen Puffer aufgebaut, ein weiteres Jahr mit diesen reduzierten Mengen dürfe es aber nicht geben.

Da es von den Spitzengewächsen des Anbaugebiets im Jahrgang 2024 nur wenige Exemplare geben wird, ist hier eine Preissteigerung auf Grund der hohen Begehrlichkeit wahrscheinlicher als in den Basissegmenten.

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