Wo Herkunft Zukunft schafft
Fünf Jahre nach der Flut: Ein Blick auf heute
Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe an der Ahr ist vieles noch im Wandel. Der Wiederaufbau dauert an, Herausforderungen gehören für viele Weinbaubetriebe weiterhin zum Alltag und manche Projekte werden die Region noch einige Jahre begleiten. Gleichzeitig ist etwas entstanden, das den Ahrwein heute besonders prägt: ein starker Zusammenhalt, neue Perspektiven und die Entschlossenheit, die Zukunft des Ahrtals aktiv mitzugestalten.
Wir haben Winzerinnen und Winzer gefragt, wie sie heute auf die vergangenen fünf Jahre blicken.
Ihre Antworten zeigen, dass der Blick nach vorne nicht bedeutet, das Vergangene zu vergessen. Vielmehr geht es darum, aus den Erfahrungen zu lernen und die Zukunft des Ahrweins aus eigener Kraft zu gestalten.
Worauf seid ihr besonders stolz?
Wenn die Winzerinnen und Winzer heute auf die vergangenen Jahre zurückblicken, dann sprechen viele nicht zuerst über das Verlorene, sondern über das Erreichte.
Trotz enormer Herausforderungen wurden Betriebe wieder aufgebaut, neue Wege gefunden und Gemeinschaft gestärkt.
Besonders häufig genannt werden die Hilfsbereitschaft und der Zusammenhalt, die das Ahrtal seit der Flut geprägt haben.
Aus einer Situation, die zunächst aussichtslos erschien, ist Schritt für Schritt neue Zuversicht entstanden.

„Dass aus der größten Herausforderung unserer Geschichte wieder Hoffnung geworden ist. Gemeinsam mit unseren Winzerfamilien, Mitarbeitenden und vielen Unterstützern konnten wir Schritt für Schritt zurückkehren – und heute wieder Wein, Gastfreundschaft und Lebensfreude im Ahrtal erlebbar machen.“
Franziska Sporon, Dagernova
„Stolz sind wir auf unseren Einfallsreichtum, die Improvisationsfähigkeit und vor allem den Zusammenhalt untereinander – sei es im Team, mit unseren Mitgliedswinzerinnen & -winzern und natürlich auch mit unseren Gästen.“
Alina Sonntag, Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr
Was funkioniert noch nicht? Wo gibt es noch Schwierigkeiten?

Auch fünf Jahre nach der Flut ist der Wiederaufbau vielerorts noch nicht abgeschlossen.
Baustellen, organisatorische Herausforderungen und infrastrukturelle Themen prägen weiterhin den Alltag vieler Betriebe.
Dazu kommt, dass das Ahrtal noch immer daran arbeitet, an frühere Besucherzahlen anzuknüpfen.
Für den Weinbau spielt der Tourismus eine wichtige Rolle, denn Wein und Region sind eng miteinander verbunden.
„Es fehlen noch immer Touristen und damit potenzielle Kunden gegenüber dem Vorflutniveau.“
Ludwig Kreuzberg, Weingut Kreuzberg
„Nach wie vor stecken wir mitten in der Bauphase unseres Hauptstandortes in Mayschoß, was zum einen sehr zeitintensiv ist und gleichzeitig bedeutet, dass das Team noch immer aufgeteilt arbeiten muss. Wir freuen uns daher sehr, wenn wir alle wieder unter einem Dach untergebracht sind und unsere Gäste gemeinsam empfangen können.“
Alina Sonntag, Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr
Was hat euch die Flut gelehrt?
Bei dieser Frage ähneln sich viele Antworten. Zusammenhalt, Durchhaltevermögen und Zuversicht ziehen sich wie ein roter Faden durch die Aussagen der Winzerinnen und Winzer.
Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, wie viel Kraft in einer Gemeinschaft steckt und wie wichtig es ist, auch in schwierigen Zeiten nach vorne zu schauen.
Viele berichten von überwältigender Unterstützung, neuen Freundschaften und dem Vertrauen, dass sich Herausforderungen gemeinsam bewältigen lassen.

„Die Welt ist ein besserer Ort, als immer behauptet wird. Die Unterstützung und der Zusammenhalt waren einfach überwältigend.“
Julia Bertram, Weingut Bertram-Baltes
„Dass es immer eine Lösung gibt, dass wir auf sehr loyale und treue Kundinnen und Kunden bauen können sowie viele Freundinnen & Freunde für den Ahrwein dazugewonnen haben. Aufgeben war nie eine Option.“
Alina Sonntag, Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr
Der Blick richtet sich nach vorn

Fünf Jahre nach der Flut ist das Ahrtal noch immer im Wandel. Doch die Antworten der Winzerinnen und Winzer zeigen vor allem eines: Die Region hat ihren Mut, ihre Leidenschaft und ihren Glauben an die Zukunft nicht verloren.
Die Zukunft des Ahrweins entsteht aus dem, was diese Region seit Generationen auszeichnet – ihrer Herkunft, dem handwerklichen Können ihrer Winzerinnen und Winzer und der tiefen Verbundenheit mit der Heimat. Aus Herausforderungen sind neue Perspektiven entstanden, aus Unterstützung neue Freundschaften und aus dem Wiederaufbau neue Chancen.
Jede Flasche Ahrwein erzählt heute mehr denn je eine Geschichte von Zusammenhalt, Leidenschaft und Heimatverbundenheit. Und jede Flasche trägt dazu bei, den Kulturweinbau an der Ahr zu erhalten und seine Zukunft mitzugestalten.
Vielleicht bringt es Lukas Sermann vom Weingut Sermann am treffendsten auf den Punkt:
„Drei Worte: Es geht weiter!“
Oder anders gesagt: Die Geschichte des Ahrweins wird nicht von dem bestimmt, was geschehen ist. Sie wird von den Menschen geschrieben, die jeden Tag weitermachen.
Wo Herkunft Zukunft schafft.
